Die Geschichte der Schönberger Brauerei

Der Dreißigjährige Krieg veranlasste viele Familien ihre alte Heimat in der Schweiz zu verlassen und sich woanders anzusiedeln. Nicht wenige Familien ließen sich damals in der Odenwälder Gegend nieder, so auch Ulrich Schönberger mit seiner Familie. In Ober-Mossau braute er ab Ende des 18. Jahrhunderts eigenes Bier und versorgte damit seinen Gasthof "Zum Hirschen".

Im Jahre 1834 heiratete sein Enkel Ludwig Schönberger nach Groß-Bieberau, und ließ es sich nicht nehmen, dort ebenfalls mit dem Bierbrauen anzufangen. 1835 eröffnete er eine Brauerei und ein Gastwirtschaft. Wie heute nur noch wenigen Leuten in Groß-Bieberau bekannt, befand sich die Brauerei damals auf dem Gelände an der Ecke Marktstraße und Jahnstraße. Erst später zog man auf die gegenüberliegende Seite um, dorthin, wo die Brauerei heute noch steht. Das Brauereigelände liegt übrigens auf den Überresten römischer Gutshöfe, die noch aus der Zeit der römischen Besiedlung sind. Die Brauerei wurde unter der Bezeichnung: "Brauerei Ludwig Schönberger und Söhne" von beiden Söhnen, Georg und Ludwig-Martin geführt. Aber nach einigen Jahren beschlossen sie, den Besitz aufzuteilen. Georg behielt die Brauerei, Ludwig-Martin übernahm den Gasthof "Zum Odenwald".

 

Brauereifamilie anno 1905

Brauereifamilie anno 1905


Der erste Weltkrieg und die Inflation machten das wirtschaftliche Überleben nicht einfach. Natürlich wurden in den zwanziger Jahren der technische Fortschritt nicht verschlafen. Heute wird geschmunzelt, wenn man erzählt, dass man mit einem LKW und der Umstellung auf Elektrizität zu den innovativsten Unternehmern zählte, damals aber waren die Angestellten darüber sehr froh. Bis Ende der zwanziger Jahre erholte sich der Absatz auf das Vorkriegsniveau, aber die Folgen der Weltwirtschaftskrise und die darauffolgende Arbeitslosigkeit der dreißiger Jahre, sowie der II. Weltkrieg trieben die Brauerei in eine Krise. Jedoch erholte sich das Unternehmen in der Nachkriegszeit, den Jahren des Wiederaufbaus. So sah man sich in der Lage, in den fünfziger Jahren richtig zu modernisieren, d.h. die Brauerei wurde auf den neusten Stand der Technik gebracht.

 

Historisches Brauereigelände

Historisches Brauereigelände

 

Als 1968 Dr. Rolf Schönberger die Brauerei übernahm, brachte er die neusten Kenntnisse der Brauereitechnologie aus seinem Studium in Freising - Weihenstephan mit. Die Umsetzung führte zu einem umgreifenden Ausbau in der Brauerei und der Anschaffung modernster Anlagen. In dieser Zeit florierte das Geschäft, man erreichte einen jährlichen Ausstoss von bis zu 50.000 Hektoliter Bier (= 5.000.000 Liter Bier).

 

Brauereihof

Brauereihof

 

In den Neunzigern trat die deutsche Brauereiwirtschaft in eine heftige Krise: Der Pro-Kopf-Verbrauch an Bier sank aufgrund eines steigenden Gesundheitsbewusstseins der Deutschen rapide, im Gegensatz zu allen anderen Branchen sank der Preis des Bieres stetig; große nationale Biermarken drängten mit massiven Werbemaßnahmen auf den deutschen Markt, sowie eine einschneidende Trendwende in der Gastronomie veranlasste die Schönberger Brauerei Ende der Neunziger Jahre die Produktion einzustellen. Ein Schritt den in diesen Tagen viele Klein- und Mittelständische Brauereien vollziehen mussten und der allen, die eine traditionsreiche Vergangenheit hinter sich hatten, äußerst schwer fiel.
 
Nichts desto trotz können Sie weiterhin das gute Schönberger Bier genießen. Es wird nun nach der gleichen Rezeptur in Pfungstadt von der dortigen Brauerei produziert.


In diesem Sinne:
Auf Ihr Wohl!